Den niedrigen Zinsen ein Schnippchen schlagen

Anja Demir, Geschäftsstellenleiterin, kennt die Sorgen ihrer Kunden genau

Die Deutschen sparen gern, möchten Sicherheit und für Notfälle gewappnet sein. Für Anleger ist es aber in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen kaum möglich, mit den klassischen Sparformen ein Vermögen aufzubauen, zu erhalten und zu vermehren. Konnte man in den vergangenen Jahren noch sein angelegtes Geld innerhalb von 18 Jahren durch Zins und Zinseszins verdoppeln, würde man heute dafür rund 100 Jahre benötigen. Dazu kommt, dass ein Ende der Niedrigzinsphase nicht in Sicht ist. Das bewegt viele Sparer zum Umdenken, auch andere Anlageformen statt Tages- und Festgelder in Betracht zu ziehen.

Anja Demir, Geschäftsstellenleiterin der Volksbank Bielefeld-Gütersloh in Avenwedde und Friedrichsdorf, kennt die Sorgen ihrer Kunden genau. Wir haben sie gefragt, welche Lösungen es gibt.

 

Frau Demir, lohnt sich Sparen überhaupt noch?

DEMIR: Hierzu ein ganz klares Ja von mir. Beim Sparen geht es ja darum, meine persönlichen Wünsche und Ziele zu erfüllen. Solange ich mich von denen nicht verabschieden kann und will, muss ich sparen.

 

Wie erreiche ich meine Ziele, wenn ich kaum noch Zinsen bekomme?

DEMIR: Früher war der Zinseszinseffekt ein wichtiger Helfer, wenn es darum ging, Vermögen anzusparen oder anzulegen. Heute muss ich, um ein Anlageziel zu erreichen, entweder mehr, länger oder aber anders sparen. Das „Mehr-Sparen“ ist meistens durch unser Einkommen begrenzt und das „Länger-Sparen“ ist bei manchen Wünschen keine geeignete Lösung. Bleibt also das „Anders-Sparen“.

 

Das müssen Sie uns näher erklären. Wie spart man anders?

DEMIR: Eine zeitgemäße Sparvariante sind Fondssparpläne. Wie der Name schon sagt, sparen Sie mit einem Fondssparplan in einen Fonds. Sie legen regelmäßig Geld in einen Topf, aus dem Wertpapiere gekauft werden, und erwerben damit selbst Anteile. Und zwar viele verschiedene. Die Verteilung der Gelder auf verschiedene Wertpapiere hat einen riesigen Vorteil gegenüber dem Kauf einzelner Papiere: Etwaige Kursrisiken werden gestreut. Das heißt: Verliert ein Papier an Wert, dann wird dieser Verlust dadurch kompensiert, dass andere Papiere im Fonds stabil bleiben oder an Wert zulegen. Unterm Strich kann also trotz einer Schwäche einzelner Anlagen immer noch eine deutliche Wertsteigerung zu verzeichnen sein. Die breite Risikostreuung ist das Grundprinzip und die große Stärke von Investmentfonds.
 
Sie erwähnen Kursrisiken, die sind sicher nicht jedermanns Sache?

DEMIR: Bei Einzahlungen in einen Fondssparplan profitieren Sie vom Durchschnittspreiseffekt (siehe Grafik). Wer regelmäßig immer den gleichen Betrag spart, kauft im Zeitverlauf bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile beziehungsweise bei höheren Kursen weniger Anteile. Das kann sich langfristig für Sie auszahlen.

 

Muss ich mich beim Fondssparen denn langfristig binden?

DEMIR: Nein, Fondssparen ist eine sehr flexible Anlageform! Starten kann man bereits mit einer monatlichen Rate ab 25 Euro. Bei Bedarf können Sie Ihre Sparrate grundsätzlich jederzeit anpassen oder aussetzen! Wenn Sie kurzfristig Geld benötigen, können Sie Ihre Fondsanteile in der Regel auch teilweise oder komplett verkaufen. Je nach Fonds muss man auch marktbedingte Kursschwankungen in Kauf nehmen.

Quelle: BVR

Bild: Frau Liebig hat bei gleichem Geldeinsatz mehr Benzin im Tank. Genauso profitieren Anleger beim Fondssparen von diesem Durchschnittsprinzip.

 
Und woher weiß ich, welcher Fonds der richtige für mich ist?

DEMIR: Über den richtigen Fonds für Sie entscheidet die Frage, welcher Typ Sie sind und welche Ziele und Bedürfnisse Sie haben. Es gibt viele Arten von Fonds, zum Beispiel Aktienfonds, Rentenfonds, Immobilienfonds oder Mischfonds – wie der Name schon sagt: Mischungen mehrerer Wertpapierarten. Weiter unterscheiden sich Fonds darin, dass sie sich auf bestimmte regionale oder branchenspezifische Anlageschwerpunkte konzentrieren können. Gerne nenne ich als ein Beispiel unseren Volksbank Bielefeld-Gütersloh NachhaltigkeitsInvest, der 2015 von ECOreporter.de als bester nachhaltiger Mischfonds ausgezeichnet wurde. In unseren Beratungsgesprächen klären wir sehr genau, welche Prioritäten unsere Kunden bei der Geldanlage setzen. Erst wenn exakt analysiert wurde, was unseren Kunden wichtig ist, kann eine konkrete persönliche Empfehlung erfolgen. Hierbei werden natürlich auch vorhandene Vermögenswerte einbezogen, denn was hilft es, wenn ich an der einen Seite Vermögen aufbaue, an anderer Stelle aber Geld verschenke oder gar verliere!
 
Bringt Fondssparen auch etwas, wenn man schon Vermögen hat?

DEMIR: Ja, sofern man noch keine optimale Vermögensstruktur hat, kann man mit Fondssparplänen schrittweise die vorhandenen Werte in chancenreichere Anlageformen umschichten.
 
Gibt es noch einen abschließenden Tipp, den Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

DEMIR: Gerne. In Zeiten niedriger oder fehlender Zinsen sind geförderte Sparformen, z.B. für die Altersvorsorge, wichtiger denn je. Nutzen Sie ein ausführliches Beratungsgespräch und lassen Sie überprüfen, ob Sie hier bereits gut aufgestellt sind!