Mehrheit der Mittelständler plant Ausbau des Auslandsgeschäfts

DZ BANK-Studie: Mehrheit der Mittelständler plant Ausbau des Auslandsgeschäfts – Auftragslage in OWL laut Volksbank „sehr gut“

Trotz steigender Unsicherheiten und globaler Abschottungstendenzen will mehr als jeder zweite, im Ausland aktive Mittelständler seine internationalen Geschäfte in den kommenden drei bis fünf Jahren ausbauen. Gleichwohl bleiben der Brexit, die Russland-Sanktionen, die Spannungen in der Türkei oder das Abflauen des Wirtschaftswachstums in China nicht ohne Folgen: Jedes dritte mittelständische Unternehmen sieht sich davon betroffen. Das hat eine repräsentative, bundesweite Umfrage der DZ BANK, der Zentralbank der Volks- und Raiffeisenbanken, ergeben. Auch in Ostwestfalen stehen alle Zeichen auf Export. „Die Auftragslage für den heimischen Mittelstand im Auslandsgeschäft ist sehr gut“, berichtet Thomas Sterthoff, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh.

Für ihre Studie hat die DZ BANK in September und Oktober 801 Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 125 Millionen Euro befragt, davon rund 130 aus Nordrhein-Westfalen. Nur 17 Prozent aller mittelständischen Unternehmen sehen angesichts der aktuellen politischen und ökonomischen Turbulenzen in der Welt demnach Auswirkungen auf ihr eigenes Unternehmen. Und auch bei den im Ausland engagierten Unternehmen, die 52 Prozent der Befragten ausmachten, sind es weniger als ein Drittel. Am stärksten wirken sich dabei noch die Russland-Sanktionen aus. Fast jedes fünfte Unternehmen mit Auslandsengagement spürt deren Folgen (18 Prozent).

Eine Beobachtung, die Jürgen Erlenkötter, Teamleiter Internationales Geschäft bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, bei seinen Kunden ebenfalls gemacht hat. „Die Folgen des Brexits waren für den heimischen Mittelstand äußerst überschaubar. Das auf Eis gelegte Freihandelsabkommen TTIP spielte sogar gar keine Rolle. Nur in Russland ist der Markt infolge der Sanktionen mehr oder weniger zum Erliegen gekommen.“ Im Gesamtumsatz werde sich dies aller Voraussicht nach jedoch nicht niederschlagen. „Diese Entwicklung konnte durch andere Märkte aufgefangen werden“, so Erlenkötter. „Die Unternehmen haben sich rechtzeitig nach anderen Möglichkeiten umgesehen.“

Die vorhandenen Unwägbarkeiten werden durch die aktuellen Ergebnisse der US-Wahlen jedoch noch weiter zunehmen, glaubt Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ BANK. Er geht deswegen von einer weiteren Fokussierung auf die EU-Länder aus – mit neuen Wachstumschancen für den Binnenmarkt. „Bei allen Herausforderungen gilt aber: Die Unternehmen in Deutschland sind überwiegend familiengeführt und dies über mehrere Generationen“, so Zeidler. „Dabei haben die Mittelständler schon zahlreiche globale Krisen im eigenen Geschäftsmodell abgefedert und verfolgen üblicherweise langfristige Strategien.“

Angesichts dieser Zahlen verwundert es kaum, dass 51 Prozent aller Mittelständler mit Auslandsengagement in den kommenden drei bis fünf Jahren ihre internationalen Aktivitäten weiter ausbauen wollen. 48 Prozent planen, ihr Engagement in ähnlichem Umfang beizubehalten. Lediglich ein Prozent will reduzieren.

Selbst aus schwierigen Auslandsmärkten will sich nur jedes zehnte aller im Ausland engagierten Unternehmen zurückziehen. Von den größeren Mittelständlern mit einem Umsatz zwischen 50 und 125 Millionen Euro zieht dies gar keiner in Erwägung. Am häufigsten reagieren die Unternehmen noch mit Zurückhaltung bei den Neuinvestitionen (20 Prozent) auf die politischen und ökonomischen Risiken.

 

Die Bank zur Absicherung
Erfreuliches Ergebnis für die Banken: Bei der Erschließung neuer Absatzmärkte wünschen sich vier von fünf aller befragten Unternehmen die Unterstützung ihrer Hausbank – egal, ob sie im Ausland aktiv sind oder nicht. Besonders gefragt sind hier Leistungen wie Finanzierung (63 Prozent), Absicherung (57 Prozent) und Fördermittelberatung (53 Prozent). Jeder dritte Betrieb will zudem eine strategische Beratung. „In der Summe hat sich die Nachfrage nach Beratung bei uns nicht verändert“, erläutert dazu Volksbank-Vorstandschef Sterthoff. „Sie liegt auf gleichbleibend hohem Niveau. Was sich allerdings geändert hat, ist, dass die
Anfragen mittlerweile viel spezialisierter ausfallen. Da machen sich die immer komplexeren Anforderungen ans Auslandsgeschäft bemerkbar.“ Er sieht in diesem Zusammenhang besonders die Regionalbanken gut aufgestellt. „Fast jeder zweite Betrieb wünscht sich vor allem eine Unterstützung vor Ort – etwa durch seine Hausbank oder eine Kooperationsbank“, erläutert Sterthoff. „Die regionale Verwurzelung zählt deswegen zu den entscheidenden Vorteilen etwa der Genossenschaftsbanken. Als starke Firmenkundenbank können wir deswegen besonders mit unserer Nähe zum Kunden punkten.“