Stellungnahme zur Brexit-Abstimmung

Abstimmung der Briten über den Verbleib in der Europäischen Union

Zur gestrigen Abstimmung der Briten über den Verbleib in der Europäischen Union nimmt Thomas Sterthoff, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, wie folgt Stellung:

 

„Ein trauriges Signal – mit ungewissen Folgen für den heimischen Export“

 

„Trotz des knappen Ergebnisses ist das Votum ‚pro Brexit‘ ein trauriges Signal. Angesichts der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage, also in Zeiten von Niedrigzins und nervösen Finanzmärkten, hätten wir uns ein anderes Ergebnis vor allem für unsere mittelständischen Firmenkunden gewünscht, für die Großbritannien ein wichtiger Absatzmarkt ist. Natürlich sind die wirtschaftlichen Folgen noch nicht absehbar. Die nächsten Monate werden zeigen, welchen Weg die Briten – und vor allem auch Brüssel – einschlagen werden. Bleiben sie dem Europäischen Binnenmarkt erhalten? Drohen bürokratische Handelshemmnisse oder sogar die Wiedereinführung von Zöllen und anderen Einfuhrbeschränkungen? Das wäre zumindest genau das, was ein großer Teil unserer mittelständischen Kunden befürchtet. Der BVR-Mittelstandsbericht hat hierzu deutliche Zahlen ermittelt: Für mehr als ein Fünftel der mittleren Betriebe würde Großbritannien durch mögliche Zölle als Absatzmarkt uninteressant, und über 15 Prozent befürchten, dass die britische Nachfrage nach deutschen Produkten sinkt.

 

So lange die künftigen Beziehungen zwischen den Briten und der EU noch unklar sind, werden sich zudem die Finanzmärkte auf eine längere Periode der Unsicherheit einstellen müssen. Bis hier Normalität einkehrt, wird es noch dauern.
Immerhin zeigt das knappe Abstimmungsergebnis, dass viele Briten trotz allem um die Vorteile der EU wissen. Insofern bleibt zu hoffen, dass das Vereinte Königreich den Firmen aus OWL auch zukünftig als wichtiger Exportmarkt erhalten bleibt. Auch für die britische Wirtschaft sind die Folgen des Brexit schwer vorherzusehen. Ein Argument der Brexit-Befürworter war ja, dass Großbritannien als drittgrößter Nettozahler der EU ein Verlustgeschäft macht. Aus meiner Sicht war das zu kurz gegriffen. Ich denke, dass dem Vereinigten Königreich nun herbe wirtschaftliche Einschnitte drohen.“