Volksbank Bielefeld-Gütersloh: Lagebericht 2017

Unternehmen in OWL suchen dringend Fachkräfte

Bielefeld/Gütersloh. Der Fachkräftemangel ist aktuell die größte Herausforderung für mittelständische Unternehmen im Wirtschaftsraum Bielefeld und Kreis Gütersloh. Das ergab die jährliche Befragung zum „Lagebericht Mittelstand“ der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. So gaben rund 63 Prozent der Unternehmen an, dass der Fachkräftemangel ein Problem sei. Besonders deutlich wird der Arbeitskräftemangel in der Baubranche: Hier suchen 75 Prozent der Firmen dringend neue Mitarbeiter.


„Auch aufgrund der seit Jahren sehr guten Arbeitsmarktlage in Ostwestfalen-Lippe ist der Fachkräftemangel sehr schnell zu einem wichtigen Faktor geworden“, erklärt Thomas Sterthoff, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. „Noch 2009 haben weniger als zehn Prozent der Unternehmen angegeben, dass sie zu wenige gut ausgebildete Arbeitskräfte finden.“ Zwar löst die Personalknappheit Lohn- und Gehaltssteigerungen aus – diese werden aber nur von 29 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen als vorrangiges Problem betrachtet. Stattdessen identifizierte die Hälfte der 486 beteiligten Unternehmen die Bürokratie als Herausforderung, gefolgt von der Steuerlast, die für 36 Prozent eine Belastung darstellt. Dagegen sehen nur 15 Prozent der Unternehmen die Auftragslage als Problem an. Die Energiekosten sind sogar nur für jeden zehnten Mittelständler eine Herausforderung. Auch die Unternehmensfinanzierung scheint in Ostwestfalen-Lippe kein Problem zu sein: Nur vier Prozent gaben an, hier Schwierigkeiten zu haben.

 

Bild: Thomas Sterthoff (Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh) und Ralf Reckmeyer (Generalbevollmächtigter und Leiter Firmenkundenbetreuung) stellten die Ergebnisse des Lageberichts vor.

 

Stimmungsbarometer auf Rekordhoch

Diese Zahlen legen nahe, dass die mittelständischen Unternehmen ihre Situation als positiv beurteilen. Das Stimmungsbarometer – ein Mischwert aus wirtschaftlicher Entwicklung im ersten Halbjahr, Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und Prognose für die zweite Jahreshälfte – bestätigt diese Einschätzung: So stieg das Barometer im Vergleich zum vergangenen Jahr um 0,9 Punkte auf nun 118,2 Punkte. Seit Beginn der jährlichen Lageberichte im Jahr 1991 wurde nie ein höherer Wert gemessen. Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe und die Bauwirtschaft konnten mit 119,4 (2016: 118,2) und 119,3 Punkten (2016: 117,8) neue Rekorde verzeichnen. Auch im Dienstleistungssektor war eine deutliche Steigerung auf 118,6 Punkte zu verzeichnen (2016: 116,5). Einzig im Handel hat sich die Stimmung eingetrübt: Hier ging der Index um 1,7 Zähler zurück auf 114,7 Punkte. „Wir erreichen nun schon den dritten Stimmungsrekord hintereinander. Dies zeigt, dass die ostwestfälische Wirtschaft auf dem richtigen Weg ist“, sagt Thomas Sterthoff.

Geht es nach den Unternehmen, kann es durchaus so weitergehen: Nur sechs Prozent erwarten, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten verschlechtern wird. Der Optimismus in den Betrieben lässt sich auch an der Investitionsbereitschaft ablesen: Mehr als ein Viertel der Unternehmer hat die Budgets sogar aufgestockt. „Daran wird sich mittelfristig nichts ändern: 54 Prozent der Unternehmen haben im nächsten halben Jahr weitere Investitionen geplant“, freut sich Ralf Reckmeyer, Generalbevollmächtigter und Leiter Firmenkundenbetreuung der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Nur neun Prozent haben in der ersten Jahreshälfte weniger investiert.

Sichere Eigenkapitalbasis

Die sehr gute wirtschaftliche Lage nutzten 29 Prozent (2016: 31 Prozent) der Unternehmen für eine Erhöhung ihrer Eigenkapitalquote. Damit verfügen nun 43 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen über eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent, bei 20 Prozent liegt sie unter zehn Prozent. „Insgesamt steht die ostwestfälische Wirtschaft auf einem soliden Fundament – 58 Prozent der Mittelständler verfügen über eine gute Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent“, sagt Ralf Reckmeyer. Von den befragten Unternehmen plant rund ein Drittel in den kommenden Monaten eine Erhöhung des Eigenkapitals.