Volles Haus beim ersten Heilberufe-Forum der Volksbank Bielefeld-Gütersloh

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: „Medizin ist ein Kulturgut“

Das erste Heilberufe-Forum in der Bielefelder Volksbank-Zentrale am Kesselbrink: (v.li.) Thomas Sterthoff, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und Hermann Beckfeld

Bielefeld. Hätte Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer drei Wünsche frei an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dann wären das höhere Investitionen in das Gesundheitswesen, mehr Zeit für Gespräche zwischen Ärzten und Patienten sowie eine bessere Bezahlung von Physiotherapeuten, Krankengymnasten und Osteopathen. „Wir haben so ein tolles Gesundheitssystem, um das uns andere beneiden. Aber die Medizin wird hierzulande nur verwaltet“, kritisierte der Arzt, Bestsellerautor, Wissenschaftler und Kolumnist beim ersten Heilberufe-Forum der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Die Folge: „Wir merken gar nicht, dass die Medizin ein Kulturgut ist.“ Und dies dürfe nicht kaputtgespart werden.

Ursprünglich wollte Dietrich Grönemeyer Ingenieur werden. Dass er sich anders entschied, lag an einer schmerzhaften Erfahrung nach einer Operation, als ihm zwei Tampons aus der Nase gerissen wurden: „Das tat so weh, dass ich ein Stück Veränderung schaffen wollte.“ Seit Jahren macht er sich für eine Synthese aus Hightech-Schulmedizin und Naturheilkunde stark. Außerdem nimmt der praktizierende Arzt regelmäßig zu gesundheitspolitischen Fragen Stellung. Dabei sei er als Kind ein großer Angsthase gewesen: „Jedes Mal, wenn ich eine Spritze sah, bin ich ohnmächtig geworden“, verriet der bekannte Radiologe und Rückenspezialist den rund 100 Zuhörern im Vortragssaal der Volksbank-Zentrale am Kesselbrink. Moderiert wurde die Veranstaltung von Hermann Beckfeld, Chefredakteur der „Ruhr Nachrichten“. Der Journalist führte in das Thema ein und spielte dem Referenten anschließend 80 Minuten lang die Bälle zu.

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer ermunterte die Zuhörer zu mehr Bewegung: „Jeden Tag mindestens 20 Minuten“, gab er als Richtlinie vor und forderte die Teilnehmer zwischendurch immer wieder zu Dehn- und Entspannungsübungen auf. Um bereits bei Kindern die Begeisterung für Sport zu wecken, hat der Mediziner ein Programm mit Übungen für die „bewegte Schulpause“ entwickelt. Schließlich sollten die 650 Skelettmuskeln, die 40 Prozent des Körpergewichts ausmachen, regelmäßig trainiert werden. Ideal dafür sei eine Stunde pro Tag. „Stattdessen schauen die Kinder im Schnitt vier Stunden täglich auf ihr Smartphone oder Tablet“, betonte der Gast. Er selbst habe Whatsapp inzwischen abgeschaltet. Auf Facebook sei er gar nicht unterwegs. „Im Urlaub in Italien funktionierte die Internetverbindung nicht. Sie glauben gar nicht, wie ich mich entspannt habe“, sagte Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und riet dazu, mehr Ruhephasen in den Alltag einzubauen.

Das Spezialgebiet des Radiologen ist der Rücken. Der aus Büchern und dem Fernsehen bekannte Mediziner gilt als Vater der Mikrotherapie. Bei dieser Methode werden zur Diagnose und Behandlung von Schmerzen und Erkrankungen der Wirbelsäule winzige Instrumente mithilfe bildgebender Verfahren im Körper platziert und gesteuert. „Die heutige Medizin ist stark auf Operationen ausgerichtet. Immer mehr Wirbelsäulen werden versteift“, erklärte der 65-Jährige. „Doch 80 Prozent der Rückenbeschwerden gehen auf Verspannungen zurück.“ Ausgelöst durch mangelnde Bewegung, Fehlhaltungen oder psychische Belastungen. Deshalb plädierte der Referent für weniger Operationen, ein besseres Zusammenspiel der verschiedenen medizinischen Disziplinen und eine ganzheitliche Wahrnehmung von Körper, Geist und Seele zum Wohle des Patienten. Sein Credo: „Keine Angst vor Veränderung.“

Das Heilberufe-Forum mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer war der Auftakt einer exklusiven Veranstaltungsreihe, die sich speziell an Ärzte, Apotheker, Heilpraktiker, Physiotherapeuten und andere Vertreter aus dem Gesundheitswesen richtet. „Zweimal im Jahr wollen wir Themen aufgreifen, die für diese Berufsgruppe von großer Bedeutung sind“, erklärte Thomas Sterthoff, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, zu Beginn und stellte den Zuhörern die neue Bielefelder Zentrale und die Pläne für das Wilhelmstraßenquartier vor.

Das nächste Heilberufe-Forum wird am Mittwoch, 6. Februar 2019, stattfinden. Von 18 Uhr an wird es in der Gütersloher Volksbank-Zentrale um Fragen der Praxisübergabe gehen. Das Heilberufe-Forum ergänzt das branchenspezifische Beratungsangebot der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, bei dem die besonderen Ansprüche von Ärzten, Apothekern, Heilpraktikern und Physiotherapeuten im Mittelpunkt stehen.

 

Bild: Das erste Heilberufe-Forum in der Bielefelder Volksbank-Zentrale am Kesselbrink: (v.li.) Thomas Sterthoff, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und Hermann Beckfeld